Christkinddorf Himmelpforten
Das Weihnachtspostamt
Grussworte des Pastors aus Himmelpforten

Essen Sie gerne Weihnachten frische Erdbeeren? - Und dafür im
September schon Lebkuchen?
Die Freude an frischen, roten Erdbeeren möchte ich Ihnen nicht
nehmen, doch für mich sind sie ein Hinweis darauf, wie sehr uns der
Rhythmus der Jahreszeiten verlorengegangen ist.
"Alles hat seine Zeit" - diese biblische Wahrheit gilt es stärker
zu beherzigen. Wer im Frühsommer sehnsüchtig auf die ersten
Freilanderdbeeren wartet, wird sie sich - endlich reif - mit großem
Genuß munden lassen. Wer sich die Freuden der Weihnachtszeit für
den Dezember aufspart, wird die Genüsse dieser Zeit intensiv
wahrnehmen. Advent ist im Dezember - darüber möchte die Kirche
stärker mit Ihnen ins Gespräch kommen, betont Margot Käßmann,
Bischöfin in Hannover.
Wie jedes Fest eine Vorbereitung braucht, in der man überlegt, was
besorgt werden muß, welche Gäste kommen, wie das Fest gestaltet
werden kann, so braucht auch das Weihnachtsfest eine innere
Vorbereitung: Früher war die Adventszeit eine solche Zeit, eine
Zeit der Buße. Natürlich zieht sich heute keiner mehr das Büßerhemd
an und streut sich Asche aufs Haupt. Buße heute hat etwas damit zu
tun Zeit und Ruhe zu finden, um für sich etwas abzuklären, sich
klar zu werden, was man will, sich zu entscheiden, wohin der eigene
Weg gehen soll. Wichtig ist abzuklären welche Empfindungen und
Gefühle zu anderen Menschen die eigene Lebensplanung bestimmen
sollen. Dazu gehört Mut. Aber besser im Advent in sich zu gehen,
als an den Weihnachtstagen mit hohem emotionalen Streß viel
Porzellan zu zerschlagen.
Zur Abkühlung gehört auch, Hoffnung für sich zu entdecken, denn
Buße will zu neuem Leben führen. Es gilt das Licht am Ende des
Tunnels zu erkennen.
Weihnachten heißt, es gibt Hoffnung für Dich.
Wie sah die Hoffnung zur Zeit Jesu aus? In einer damals
waffenstarrenden Welt des römischen Imperiums hörten die Hirten die
Engel singen:
und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.
Evangelium des Lukas, Kapitel 2, Vers 14
In der Zeit, in der der mächtige römische Kaiser Augustus mit
seinen Legionen für Frieden im römischen Reich sorgte und sich
dafür als Friedensbringer und Gott verehren ließ, erinnerte sich
die kleine christliche Gemeinde des Lukas an den Engelsgesang.
Nicht dem mächtigen Augustus gehörte die Ehre, sondern Gott und dem
kleinen Kind in der Krippe. Eigentlich eine mutige Frechheit der
damaligen Christen. Sie waren überzeugt, daß Frieden nicht mit den
Waffen des Augustus geschaffen wird, sondern daß Frieden von innen
kommt, aus den Herzen derer heraus, die von der Botschaft der Engel
ergriffen sind.
Zwar unterscheiden wir uns durch viel Technik von den Menschen vor
2000 Jahren, nicht aber unterscheiden wir uns durch unsere
Unfähigkeit zum Frieden zu kommen. Auch hier ist uns der gute
Rhythmus für das Leben abhanden gekommen.
Weihnachten sagt, mit Bomben ist wirklicher Friede nicht
erreichbar.
In allen Religionen, auch im Islam, liegt ein großes
Friedenspotential, allen Religionen ist das Leben heilig. Nicht
Religionen sind der Feind des Lebens, im Gegenteil, sondern die
Haltung, nur die eigene Meinung als richtig anzuerkennen und andere
Meinungen als unerträglich anzusehen. Weihnachten besinnen wir uns
auf die Würde des Menschen, für den sich Gott ganz hingegeben hat.
Dieses Fest kann ein Impuls sein, Friedenswege umzusetzen, zu
überlegen was man selber - ganz konkret - im Kleinen für den
Frieden tun kann. Wer sich in diesen Tagen fragt, ob er wegen der
schrecklichen Ereignisse in der Welt überhaupt Weihnachten feiern
solle, den möchte ich zur Weihnachtsfeier ermutigen. Sich
Weihnachten zu besinnen, daß der Friede aus dem Herzen kommt, ist
Grund genug, dieses Fest zu feiern.
Pastor: Udo Garve
